Messverlaufsdiagramm
Zeigt jede Einzelmessung, gruppiert nach Prüfeinheit und Prüfer, gegen eine gemeinsame Referenzlinie — deckt Prüfer-Bias und auffällige Prüfeinheiten auf.
Messverlaufsdiagramm
Das Messverlaufsdiagramm zeigt jede einzelne Messung einer Prüfmittelstudie: gruppiert in ein Feld je Prüfeinheit, farblich und symbolisch getrennt nach Prüfer, gegen eine gemeinsame waagerechte Referenzlinie. Es rechnet nichts aus — es macht sichtbar, was eine Kennzahl verdichtet.
In Minitab liegt es unter Statistik → Qualitätswerkzeuge → Messsystemanalyse → Messverlaufsdiagramm. Es ist nicht dasselbe wie das Verlaufsdiagramm (Run Chart) — jenes zeigt eine einzelne Reihe über die Zeit mit Medianlinie und vier Lauftests und hat mit Messmitteln nichts zu tun.
Feld je Prüfeinheit: Jedes Feld enthält alle Messungen an einer Prüfeinheit. Innerhalb des Felds stehen die Prüfer blockweise nebeneinander, ihre Wiederholmessungen sind verbunden.
Referenzlinie: Standardmäßig der Mittelwert aller Messwerte. Ein eigener Wert lässt sich eintragen — etwa der bekannte Referenzwert eines Normals oder die Mitte des Toleranzbands.
Daten & Bedienung
- Long/tidy-Format mit zwei Pflicht-Spalten: Prüfeinheit und Messwert. Jede Zeile ist eine Einzelmessung.
- Optionale Prüfer-Spalte. Fehlt sie, wird je Prüfeinheit eine einzelne Reihe gezeichnet — sinnvoll für Studien mit nur einem Prüfer oder automatisierten Messsystemen.
- Die Reihenfolge der Zeilen im Arbeitsblatt definiert die Wiederholung. Eine eigene Wiederholungs-Spalte gibt es bewusst nicht.
- Prüfeinheiten werden numerisch sortiert, wenn alle Bezeichner Zahlen sind (3, 4, 10, 15), sonst alphabetisch.
- Prüfer behalten die Reihenfolge ihres ersten Auftretens im Arbeitsblatt — eine bewusst gewählte Reihenfolge bleibt damit erhalten.
Bei vielen Prüfeinheiten bricht die Darstellung in mehrere Zeilen um. Alle Zeilen teilen sich dieselbe Y-Skala und dieselbe Referenzlinie, sind also direkt vergleichbar. Über „Prüfeinheiten je Zeile" lässt sich der Umbruch steuern.
Die fünf Freitextfelder unter „Prüfmittelinformationen" dokumentieren die Studie (Messgerät, Datum, Berichtersteller, Toleranz, Sonstiges) und erscheinen über dem Diagramm. Sie werden mit dem Projekt gespeichert.
Interpretation
- Ein Prüfer liegt durchgehend höher oder tiefer als die anderen: Hinweis auf Prüfer-Bias — unterschiedliche Ablesegewohnheit, Aufspannung oder Auslegung der Prüfvorschrift.
- Ein Prüfer streut sichtbar breiter: schlechte Wiederholpräzision bei diesem Prüfer. Die Verbindungslinien zwischen den Wiederholmessungen zeigen das direkt.
- Große senkrechte Sprünge innerhalb eines Felds: die Wiederholmessungen an derselben Prüfeinheit gehen auseinander — das Messsystem ist an dieser Stelle nicht reproduzierbar.
- Felder streuen stark untereinander, innerhalb aber wenig: das ist der Normalfall einer brauchbaren Prüfmittelstudie — die Teile-zu-Teile-Streuung dominiert.
- Alle Felder liegen dicht beieinander: die Prüfeinheiten decken den Prozessbereich nicht ab. Die Studie kann das Messsystem so nicht sinnvoll bewerten.
Das Diagramm liefert keine Kennzahlen. Für %GRR, Wiederholpräzision und Vergleichspräzision gehört eine Prüfmittelfähigkeitsstudie daneben — Typ 2 für variable, Typ 5 für attributive Merkmale. Das Messverlaufsdiagramm zeigt, warum eine Kennzahl so ausfällt.
Stolpersteine
- Namensverwechslung. „Messverlaufsdiagramm" ist der Gage Run Chart, „Verlaufsdiagramm" der Run Chart. Wer die Lauftests sucht, ist im Modul Verlaufsdiagramm richtig.
- Unbalancierter Versuchsplan. Fehlt einem Prüfer eine Prüfeinheit, wird das als Warnung gemeldet. Das Diagramm bleibt lesbar, aber die Felder sind nicht mehr direkt vergleichbar.
- Zu viele Prüfeinheiten je Zeile. Ab etwa zehn Feldern pro Zeile werden die Punkte ununterscheidbar. Lieber den Umbruch verkleinern als das Diagramm breiter ziehen.
- Attributive Daten. Bei 0/1-Ergebnissen liegen fast alle Punkte auf zwei Höhen — genau das macht die wenigen Abweichler auffällig. Der Mittelwert als Referenzlinie ist dann aber kaum interpretierbar.
- Reihenfolge im Arbeitsblatt. Da die Zeilenreihenfolge die Wiederholung definiert, verändert Sortieren des Arbeitsblatts die Verbindungslinien.
Beispieldaten
Dieses Modul wird mit den folgenden Beispieldatensätzen ausgeliefert — mit einem Klick in der App ladbar.
Verfügbar in folgenden Zyklen
- DMAIC: Measure
- DMADV: Measure
- 8D: D2 — Problem beschreiben